Trenn dich challenge, die Zweite

Das war eine richtig gute Erfahrung. Und erschreckend.

Ich habe mich in den letzten beiden Wochen wirklich von 56 Dingen getrennt. Sogar von mehr.

Und für den Restmüll gabs nur eine Sache, eine bodylotion, die mich immer zum Schwitzen gebracht hat. Eindeutig kein bio-Produkt, sondern was mit Mineralöl Inhaltsstoffen. Alles andere habe ich verschenkt, gespendet, oder es kam in den Glascontainer, oder als Kompost in den Garten oder es kommt demnäx ins nächste Sozial Kaufhaus.

Vieles davon hatte ich aufgehoben, um irgendwann diese Rezepte nachzukochen oder mit den Materialien zu basteln. Und irgendwann wurde aus dieser Vorfreude eine Verpflichtung, oder eine Aufgabe. Und die ist jetzt weg. Yippie!!!!!!!

Erschreckend war, dass es ganz leicht war, mich von allem zu trennen. Das lag alles rum und hatte keine Bedeutung oder Freude für mich.

Mir ist aber auch klar, dass es viele Menschen gibt, hier und überall, die viel zu wenig haben. Für die ist das gar keine Option. Deswegen spende ich viele Gegenstände für das Sozialkaufhaus und ich spende auch Geld für Entwicklungsprojekte.

Hier spende ich gerne

Und hier auch

Gehört irgendwie zusammen, finde ich.

Es ist genug für alle da, wenn es gerechter zugeht. Und wenn ich Gerechtigkeit will, dann muss ich gerecht sein.

Spruch der Woche:

Der Mensch hat dreierlei Wege klug zu handeln:

Durch Nachdenken ist der edelste,

Durch Nachahmen der einfachste,

Durch Erfahrung der bitterste.

Konfuzius


Trenn dich mal Challenge

Minimalismus ist in. Tiny houses sind in. Downsizing ist in. Warum schaut es dann bei uns so voll aus?

Weil wir nur selten mitmachen.

Dabei sind wir in den letzten 4 Jahren zwei mal umgezogen. Die Chance haben wir genutzt und uns immer wieder überlegt: Pack ich das jetzt in den Karton? Oder kommt es weg. Und dennoch: Regale, Schränke, Keller, Kisten sind voll.

Und warum nicht? Frist doch kein Brot, haben wir früher gesagt. Heb es erst mal auf, du weißt ja nie…
Doch diese Gründe haben mich bewogen, doch mal eine Trenn-dich-challenge mitzumachen:

  • Der nächste Umzug kommt bestimmt. Und wenn es der Umzug ins Altenheim ist.
  • Wehe, wenn ich was suchen muss.
  • Abstauben und Hausputz.
  • Mehr Platz wäre schön, mehr optische Ruhe.
  • Dinge zu horten, die nicht genutzt werden ist Ressourcen-Verschwendung hoch drei. Hier steht es im Weg, jemand Anderes könnt es verwenden und kauft es neu.

Die Challenge geht so: 

Du trennst dich von ungenutzten, ungeliebten Dingen. Verkaufen, verschenken, eintauschen, spenden und wenn es gar nicht anders geht, eben wegwerfen. Am ersten Tag eine Sache, am zweiten Tag zwei, am dritten Tag drei, …, am siebten Tag sieben, am achten Tag sieben, am neunten Tag sechs, am zehnten Tag fünf, …, und am vierzehnten Tag wieder eine Sache.

Beispiele und Favoriten:

  • Kleiderschrank: Grenzwertige Klamotten sammle ich für den nächsten Urlaub. Dann noch einmal anziehen und dann werfe ich sie weg. Spart auch viel Waschen wenn ich wieder zuhause bin.
  • Platten, CDs, Filme, Bücherschrank: Über Tauschticket und booklooker habe ich schon viele Abnehmer gefunden.
  • Abos, Vereine, Versicherungen überprüfen und eventuell kündigen. Möglichst noch, bevor der nächste Jahresbeitrag abgebucht wird. 🙂 Warum ist das ökologisch? Weil Datenhaltung und -Auswertung viel Strom braucht. Und weil du dann mehr Geld in den Bioladen tragen kannst. 🙂
  • Die alten Kalender, die viel zu schade zum Wegwerfen waren: Vielleicht eignen sie sich als Geschenkverpackung.
  • Schuhe, Taschen, Schmuck, gute Kleidung, Schals und Tücher: Wie wäre es mit einem Stand beim nächsten Fashion Flohmarkt?
  • Wollreste, Stoffreste, Bastelkramreste, Spiele: Darüber freut sich eventuell der Kindergarten, das Altenheim, die Nachmittagsbetreuung. Oder du organisierst einen Bastelnachmittag mit deinen Freund*innen und brauchst das endlich auf.
  • Vielleicht ein paar Vorurteile und feste Meinungen? Alte Gewohnheiten? Probier doch mal was Neues aus. Der Mann in meinem Leben, der „völlig unmusikalisch ist und nicht tanzen kann“ ist jetzt ein begeisterter Square Dancer. Und Neues macht Lust auf Neues. Und Neues braucht Platz.

Was fällt dir noch ein? Ich freu mich auf deine Tipps.

Spruch des Tages: „Die mutigste Handlung ist immer noch selbst zu denken. Laut.“ Coco Chanel.

Bonustrack: auch irgendwie nachhaltig

Pro Entsorgung 2 Punkte


 

 

Darf ein bißchen mehr sein? Nein danke!

Dialog meiner Jugend in Nordbayern:
Ich: He Wirt, bring mir eine Halbe (= halbe Maß = 0,4 l Bier).
Wirt: Wart bis du durstig bist und dann bestell eine Maß!

Das gibts jetzt zum Glück nicht mehr. Aber vieles Andere scheint immer größer zu werden. Keine Angst, ich schreibe jetzt nicht von Autos oder Fernreisen. 🙂

Ist dir auch schon aufgefallen?

  • Pizza wird immer größer, ne kleine Pizza gibts schon gar nicht mehr, zumindest nicht hier.
  • Der normale Espresso wandelt sich gerade zum doppelten Espresso. Jetzt muss mensch einen kleinen Espresso bestellen wenn man die Größe von 2015 haben möchte. Das Gleiche gilt für Saft oder Schorle.
  • Es gibt hier in der Nähe einen Biergarten, da kann mensch 900 (!) g Steaks vom Grill bestellen.
  • Und eine Schnitzelkneipe, da ist das Schnitzel so groß, dass die Beilagen auf einem separaten Teller serviert werden.
  • Überhaupt werden Portionen immer größer, in Kantinen wie in Restaurants. Und da wir alle brav unseren Teller aufessen werden wir immer dicker. 😦
  • Aussage einer französischen Winzerin: Ihr Deutschen wollt immer nur den besten Wein. Drunter tut ihr’s nicht.
  • Und es gibt jede Menge Leute, die jetzt eine Winterjacke kaufen, die polartauglich ist und damit in deutschen Städten im Eiscafé sitzen. Draußen, unterm Heizpilz.

Und so weiter.

Stört das nur mich? Hast du auch Beispiele für diesen Größenwahn? Was können wir tun? Bitte schreibe mir deine Gedanken. Ich meckere wenigstens gelegentlich dagegen an.

Das Zitat des Tages kommt von Saphira, dem Drachen von Eragon:
Warum ist alles so schwierig?
Weil jeder essen will aber keiner will gegessen werden!

Bonustrack: Gute Nachrichten

Ich wünsche dir einen schönen Herbst.


 

Bunte Reste

Neulich habe ich mir Garne gekauft für ein Projekt. Leider waren es die Falschen. Passt nicht. Schade.

Zum Glück steht Weihnachten vor der Tür. Und da ich eine bekennende Schenkerin bin und eine bekennende Öko habe ich aus den Garnen kleine Säckchen gehäkelt. Statt Geschenkpapier. So langsam fallen mir jetzt auch die vielen Muster wieder ein. Auch gut.

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Sind doch schön geworden, oder?

  • Schenken statt wegwerfen klappt auch immer öfter. Meine überzähligen Zimmerpflanzen bin ich alle losgeworden. Und manche kann ich sogar besuchen kommen. Und Freunde brachten eine ganze Kiste mit Quitten. Leckerlecker.
  • Bei einem Bekannten zog eine Haushaltshilfe ein. Darauf hin stiegen die jährlichen Stromkosten um 1.000,00 €. Um Tausend Euro! Bei zwei Personen im Haushalt. Wir haben – auch zu zweit – nicht mal 500 € im Jahr. Öko sein lohnt sich. Dafür kann ich dann  viel im Bioladen einkaufen. 🙂
  • Spruch des Tages: Alles, was du tust, macht einen Unterschied. Du musst dich nur entscheiden, was für einen Unterschied du machen willst.
    Jane Goodall
  • Zahl des Tages: Pro Jahr verschmutzen zwischen 340 und 680.000 Tonnen Kippen unseren Planeten – ein gigantischer Berg von toxischem Sondermüll. (Quelle wwf)

Bonustrack: noch mehr Tipps.

Gewinn für die Umwelt: Alles was verwendet wird statt weggeworfen schont doppelt.

Dein Gewinn: Du kannst so jede Menge Geld sparen und hast mehr Platz in der Tonne. Und eines Tages wirst du diesen Platz an deine Nachbarn verkaufen können.

5 Punkte


 

 

 

Glückliche Menschen kaufen weniger Kram

Es gibt ja inzwischen etliche Initiativen für Menschenfreunde. Free Hugs, give you Child a Hug today. Lächeln, die über die Medien verschickt werden. Witzeketten und so weiter.

Warum ist das ökologisch?

Wie geht es dir, wenn jemand unfreundlich zu dir ist?

Ich ess dann mehr Schokolade. Freunde machen dann erst mal eine Flasche Bier oder Wein auf. Steigen aufs Motorrad und fahren eine Runde. Kaufen ein neues T-Shirt oder ein paar Schuhe. Die Mutter einer Freundin putzt dann die Fenster. Und meistens sind wir dann auch unfreundlich zu Anderen. Und die essen dann erst mal eine Packung Gummibärchen, drehen im Auto die Musik laut, fahren aggressiv, vergessen fürs Abendessen zu sorgen und so geht das immer weiter. Konsum gegen Frust. Mit allen Konsequenzen.

Deswegen: starte eine positive Kette.

Lächle, mache Komplimente, erzähle Witze (Kommt ein Mann ins Schuhgeschäft und sagt: Ich habe 2 linke Füße. Haben Sie Flipflips?), spende an eine Hilfsorganisation und erzähle davon, verschenke Blumen (oder noch besser Pflanzen), bringe Spenden ins nächste Sozialkaufhaus, lass mal jemanden links abbiegen, der sonst ewig warten müsste, lobe Partner, Kinder, Kollegen, Bäckereiverkäuferinnen, Vereinskollegen, engagiere dich ehrenamtlich. Starte eine Kuchencooperative. Dir fällt schon was ein.

Und für ganz Mutige: Wenn du gefrustet bist, erzähl es doch mal jemanden und bitte um einen Witz oder gar um eine Umarmung und ein Lächeln. Um ein Kompliment. Um einen gemeinsamen Spaziergang.

Gewinn für die Umwelt: weniger Frustkäufe, weniger Produktion, weniger Transport.

Dein Gewinn: Mehr Lebensfreude, vor allem wenn die Kette auch mal bei dir landet. Und weniger LKW auf der Autobahn.

Bonustrack: Helden der Meere


 

Reichtum

Manchmal denke ich, wie reich wir sind, das sehen wir nicht daran, was wir uns leisten können, sondern daran, was wir alles weg werfen.

Über meine Erlebnisse bei der Arbeit für die Tafel habe ich ja bereits geschrieben. Jeden Mittwoch schlimm, welche Mengen wir von den Händlern bekommen (die das Ganze ja ansonsten „entsorgen“würden), und welche Mengen wir dann selbst „entsorgen“, weil die Kunden sie nicht kaufen. Das ist oft richtig hart.

Wir leben jedoch in einer Wegwerf-Gesellschaft. Leider.

Der Mann meines Herzens half neulich einer Bekannten beim Umzug. Und obwohl der Umzug an sich schon gelaufen war (und seit Monaten bekannt; das war keine überstürzte Flucht) waren Haus und Keller und Dachboden und Garage und Schuppen noch voll. Alles Dinge, die die Familie nicht mehr haben wollte. Der fünfte und sechste Christbaumständer. Kleider. Kinderspielzeug. Werkzeuge und andere Geräte. Holz. Drahtseile. Bastelkram. Dekokram. Kleinmöbel. Großmöbel. Holz für den Kamin. Und so weiter.

Der Mann meines Herzens und die anderen Helfer nahmen dann jeder noch eine Autoladung voll mit nach Hause, weil sie es nicht mit ansehen konnten, was da alles zum Wertstoffhof gekarrt werden sollte. Und dennoch wurde Anhänger um Anhänger beladen und alles wurde weggeworfen.

Markus sagte, das waren Dinge im Wert von mehreren Hundert Euro. Selbst als gebrauchte Ware.

Aber wir haben’s ja. Und bevor wir was verschenken, oder spenden, da räumen wir es erst mal in Keller und Dachboden und Schuppen und Garage. Und wenn es dann zeitlich eng wird, ja dann, dann werfen wir es eben weg.

Wie gesagt, wir haben es ja. Und unsere Freunde und Bekannten auch. Und die Menschen, die es „nicht so haben“ und sich über ein Schnäppchen freuen würden, ja mei, die gehen uns ja nix an.

Eine Freundin von mir, die sich mehr Zeit genommen hat, hat mir ihrer Schwester zusammen Stück für Stück das Elternhaus geleert, verkauft, verschenkt, eingetauscht. Und sich über viele Fundsachen aus ihrer Kindheit gefreut und über viele Erinnerungen. So gehts auch.

Und was dabei gerne vergessen wird. Ich werfe was weg, und jemand anderes, der es brauchen kann, der kauft es dann neu. Und so wird weiter produziert und verpackt und transportiert… Und die Müllhalden füllen sich weiter.

Meine Bitte daher. Ob du demnächst umziehen willst oder nicht. Schau dich doch mal um in deiner Wohnung und an deinen Lagerplätzen und überlege, ob du dich nicht schon heute von Dingen trennen magst, verkaufen, eintauschen, spenden, den Freunden und Nachbarn anbieten. Entrümpeln befreit 🙂

Bonustrack: so findest du neue Freunde und evtl. Abnehmer

Gewinn für die Umwelt: Weniger Müll, weniger Raubbau, weniger Belastung

Dein Gewinn: ein leichteres Leben und evtl. einen schnelleren Umzug

5 Punkte


 

 

 

Zahlenspiele

So, Fridays for Future war. Die Regierung war nicht beeindruckt und hat ein Klimapaket verabschiedet, dass weitest gehend als nicht ausreichend kritisiert wurde.

10,00 € pro Tonne CO2. In der Schweiz sind es 80,00 €, in Schweden sogar 115,00 €. Und die Pendlerpauschale soll im Gegenzug erhöht werden. Oh Hilfe.

Dabei kam und kommt auch immer wieder zur Sprache, dass wir Deutschen ja nur für 2 % des Kohlendioxid Ausstoßes verantwortlich wären, und dass deshalb jede Änderung bei uns völlig irrelevant wäre.

Wir stellen aber nur gut 1 % der Erdbevölkerung. Und sind verantwortlich für ca. 2 % des Kohlendioxids.

  1. Das ist nicht fair. Wer mehr Dreck (es geht ja um mehr als nur Kohlendioxid) macht als Andere, der sollte auch mehr Dreck wegmachen. Und nicht sagen: „Och, ist doch nur so ein kleines Häufchen.“
  2. Unser Wirtschaftssystem arbeitet fleißig daran, dass auch die Bürger der ärmeren Länder viel konsumieren, große Autos fahren, energieintensive Geräte nutzen, viel Fleisch essen und jede Woche 2 neue T-Shirts kaufen. Und wie schaut die Welt und das Klima denn aus, wenn sich die Bürger der ärmeren Länder da ein Beispiel an uns nehmen? Wäre auch irgendwie gut, weil dann sind wir ja nicht mehr die Einzigen die Schuld sind. 🙂
  3. Dass es hier bei uns noch schön ist, und wir so im Wohlstand leben können, das liegt auch daran, dass schon jetzt andere Menschen und Völker unseren Dreck wegmachen. Die Kosten tragen. Es wird nicht unser Wald vernichtet, um Soja für die Tiermast anzubauen. Wir exportieren noch immer Müll. Wir verkaufen noch immer Produkte, die hier schon längst als gesundheitsgefährlich verboten sind in andere Länder, um Gewinne und Exporte zu sichern.

Und, seien wir ehrlich. Wir sind ein reiches Land. Konsum hier ist für viele in erster Linie ein Luxus, es geht nicht mehr oft um echte Notwendigkeiten.

Bonustrack: nächstes Ziel: Die Weltklima Konferenz am 29.11.

Gebt nicht auf.

Danke