Das Thema beschäftigt mich ja schon lange. Das Bekämpfen der invasiven Arten finde ich aus verschiedenen Gründen bedenklich. Heute geht es mir um Pflanzen.
Ich habe ja schon große Hemmungen, meine Büsche und Bäume zu schneiden. Die sehe ich als Wesen, mit einem Recht auf Leben und einer gewissen Unversehrtheit. Das beißt sich natürlich mit meinem Wunsch Obst zu ernten. Und so habe ich angefangen an meinen Bäumen und Büschen herum zu schnipseln. Bis jetzt haben sie es mir verziehen und eben auch gedankt. Die Rosen „belohnen“ den Rückschnitt mit verstärktem Wachsen und Blühen. Auch der Essigbaum wird jedes Jahr größer. Da bin ich dabei, meine Einstellung zu überdenken.
Mir ist auch ziemlich egal, wie und wann eine Pflanze ins Land gekommen ist. Jede Pflanze ist ökologisch wirksam, manche mehr, andere weniger. Und da auch ich Teil der Natur bin: Wenn sie mir gefällt…
Neulich habe ich eine flammende und emotionale Rede gehalten, die für den Erhalt der invasiven Pflanzen plädiert hat. Reden kann ich besser als schreiben. Der Inhalt war in etwa so:
Vier Gedanken zum Thema „Invasive Pflanzen und müssen wir sie bekämpfen“
- Natur ist ohne Veränderung nicht denkbar. Vor wenigen tausend Jahren lag Berlin unter einer drei Meter dicken Eisschicht. Alles was jetzt hier wächst ist danach „eingewandert“. Zum Glück. Die Römer haben Pflanzen über die Alpen gebracht, die Araber nach Spanien und die Spanier nach Europa. Wo die Pflanzen gute Bedingungen vorfinden, da werden sie sich ausbreiten. Wo die Bedingungen nicht (mehr) gut sind, da werden sie kümmern und verschwinden. Wenn wir die Neubürger abwehren hilft das den vertrauten Pflanzen nur bedingt. Wenn wir sie schützen und behalten wollen, dann helfen aktive Maßnahmen viel mehr. Wir könnten die Liebe der Menschen zu den vertrauten Arten wecken. Sie aus der Ecke der „Unkräuter“ wieder in die Beete holen. Zum Beispiel mit einem Wettbewerb über die schönsten Kreisverkehre und Verkehrsinseln mit mindestens 10 Wildkräutern. Mit einem Wochenkalender über die Stars der Wildkräuter, schöne Fotos, ein paar Informationen. Wir zählen im Winter und im Sommer eine Stunde lang die Vögel. Wie wäre es mit dem Quadratmeter Wildkräuter im Frühling und im Herbst?
- Wenn ich mir die Landschaft anschaue in der ich lebe und durch die ich fahre, dann sehe ich da sehr wenig Natur. Landwirtschaft mit Monokulturen, Forste, verdichtete Flächen, Flüsse im Betonbett. Da kann ich den japanischen Staudenknöterich im Straßengraben nicht wirklich als Bedrohung der Artenvielfalt ansehen. Statt die Neubürger vernichten zu wollen, wäre es nicht sinnvoller für mehr Natur zu kämpfen? Frei fließende Bäche, nasse Moore, entsiegelte Flächen, wilde Wiesen, echte Wälder?
- Die Sprache mit den kämpferischen Begriffen verstört mich sehr. Invasiv, bedrängt die heimische Flora, nimmt Lebensräume weg, die bösen Fremden und die armen schützenswerten Heimischen. Die gehören hier nicht her. Die müssen weg!!! Wollen wir wirklich entscheiden, wer hier leben darf und wer gehen muss? Wir sind Naturschützer, keine Heimatschützer. Können wir nicht geduldig und gelassen abwarten und erst mal sehen, was die Neuen so leisten? Welchen Tieren sie Schutz bieten oder Nahrung, welche Pflanzen sich in ihrer Nähe wohlfühlen, wie sie sich auf das Bodenleben auswirken oder auf den Wasserhaushalt. Wir Menschen haben schließlich auch Jahrzehnte gebraucht, bis wir wußten, was wir mit Kartoffeln und Tomaten anfangen können. Und ich möchte Pommes mit Ketchup nicht missen.
- Der letzte Sommer war schlimm. Wir haben so viel verloren, Menschen, Tiere. Auch die Pflanzen haben gelitten unter der Hitze, der Trockenheit, dem Staub, der UV-Strahlung, den Bränden.
Jede Pflanze, jede lebende Pflanze, hilft aktiv und passiv gegen diese Erwärmung. Jede Pflanze bindet den Staub und leitet den Regen in den Boden. Jede Pflanze stemmt sich gegen den Wind und bremst seine Kraft. Jede Pflanze bindet Kohlenstoff und erzeugt Sauerstoff. Jede Pflanze bremst das Feuer.
Wenn wir sie lassen.
Das war bei einer Sitzung des NABU, der die invasiven Pflanzen bekämpfen will. Erstaunlicherweise haben sie mich reden lassen. Erstaunlicherweise bekam ich sogar Zustimmung. Wow. Von dem Abend zehre ich noch heute.
Wie stehst du zu dem Thema?
- Die müssen alle weg. Feuer und Schwert.
- Ist mir egal, weitestgehend.
- Ich finde sie schön
Bonustrack1: Das Atmo Magazin ist der Nachfolger des Greenpeace Magazins. Zusätzlich zur Printausgabe gibt es jetzt auch eine kostenlose Ausgabe im Netz. Spenden willkommen. https://www.atmo-magazin.de/
Bonustrack2: Hast du noch ein altes Handy rumliegen? Weißt nicht warum? Hier ist eine gute Möglichkeit es los zu werden -und mit deinem Abgeordneten zu sprechen: https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/bundestagsabgeordnete-sammeln-handys-fuer-die-umwelt-deutsche-umwelthilfe-ruft-buergerinnen-und-buer/
Spruch der Woche: Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in seinem Schatten sitzen wird, hat zumindest angefangen den Sinn des Lebens zu begreifen. Tagore. Gilt natürlich auch für Frauen. Ich bin aber froh, dass der Mann in meinem Herzen derjenige ist, der buddelt…






