Die Freuden der Gärtner*innen.
Als Kind musste ich meinem Vater im Garten helfen. Da waren Gemüsegärten wichtig, Standard sozusagen. Auf dem Land gab es wenig Läden, Selbstversorger waren wir nie, aber der Versuch war schon da, möglichst viel von der eigenen Scholle zu holen.
Ich habe es gehasst.
Aber was wollte ich machen, ich war das älteste Kind und mein Vater mochte Widerspruch nicht gerne. Also musste ich nicht nur an der Erde kratzen, ich musste es auch noch gut machen. Und ich musste natürlich dieses komische Zeug auch noch essen und trinken. Ähbäh!!!
Gärtnern war für mich dann lange „durch“. Kochen ja, ackern nein.
Irgendwann nahmen dann die Nachrichten zu, die von Lebensmittel berichteten, die gar nicht mal so gesund waren. Antibiotika im Fleisch, Pestizide auf dem Salat, Salmonellen und andere Keime, Plastik in Verpackung und im Saft. Auch die Folgen der Landwirtschaft drangen immer öfter in die Nachrichten.
Seitdem gärnere ich wieder. Es hat sich ja nicht wirklich gebessert. Bio hin, Bio her. Zur Zeit ist es nur ein kleiner Handtuchgarten mit schlechtem Boden. Was ich essen will wächst im Topf. Aber das Essen ist nur ein kleiner Teil der Freude. Da hat sich der Fokus verschoben.
Aus diversen Gründen, Faulheit ist auch dabei, haben wir einen wilden Garten. Was von alleine wächst ist erst mal willkommen. Alles schöner als braune Erde. Vieles kann man essen.
Die große Freude ist das Leben bei uns. Die Bienen summen um die Nisthilfen, die schon wieder fast gefüllt sind. 2 große blauschwarze Holzbienen streiten um den alten Pfirsichbaum, der zum großen Teil abgestorben ist. Die Pfirsiche sind noch nicht mal gut. Aber die Bienen lieben die Blüten, die Spatzen sitzen drin und schimpfen, die Meisen picken die Blattläuse von den Blättern. Die Hummeln brummen um uns rum, es ist eine Freude.
In unserem Garten gibt es ein paar Käfer, gelegentlich einen Schmetterling. Eine Hornisse hat hier auch schon genistet und Wespen sowieso. Rotkehlchen kommen zum Futtern vorbei und früher auch Amseln.
Wir sehen es als Paradies. 25 m2 Paradies. Mehr isses nicht.
Wir freuen uns über jedes Wetter, wenn es regnet müssen wir nicht gießen, wenn die Sonne scheint, dann wächst es.
Und wir ernten Salat und Pfefferminze, Walderdbeeren und Gurken, Paprika und Salbei, Rosmarin und Stangenbohnen… Ein Sträußchen ist auch meistens drin. Da wächst so viel, was eh weg muss. Und ob etwas eine Blume ist oder ein Unkraut – das ist eine Bewertung. Der neueste Strauß besteht aus den Blüten des Giersch mit ein paar vorwitzigen Pflanzen, die sich auf der Terrasse breitmachen wollen.
Bonustrack 1: Vögel fliegen bei uns selten gegen die Scheibe, zum Glück. Verhindern kannst du das mit Klebepunkten an den Scheiben. Ein Ratgeber von naturadb.de, die viele Tipps für Gärtner*innen haben.
Bonustrack 2: Markus Brindl zeigt in superschönen Videos das geheime Leben der Tiere.
Buchtipp der Woche: Jane Goodall mit Douglas Abrams und Gail Hudson: Das Buch der Hoffnung.
So, das wars, jetzt gehe ich raus, was essen (Salat und Senfkeime auf dem Brötchen) und genieße die Sonne. Ich wünsche euch allen eine schöne Zeit – und dass in euren Gärten (falls) das wächst, was euch gefällt.