Die Welt wächst zusammen und ändert sich. Globalisierung und die Veränderungen in Wetter und Klima sorgen für Überraschungen. Nicht alles ist schön und erwünscht.
Alleweil sind die Neophyten und Neozooen in der Diskussion. Also Pflanzen und Tiere, die hier eingewandert sind.
Viel weniger sind die Tiere und Pflanzen im Gespräch, die es auf einmal immer weniger gibt. Wenn überhaupt. Das ist doch ein wichtigeres Thema.
Ich bin ja schon älter und kann mich an Wiesen voller Blumen erinnern, voller Schmetterlinge. Alte Steinbrüche voller Eidechsen und Nattern und sogar Kreuzottern. Bäche voller Fische, Bäume voller Vögel. Und Jüngere, die das nicht kennengelernt haben, die vermissen das auch nicht. Logisch. Sliding baseline nennt man das, oder Landschaftsgedächtnis. Wir halten das für normal, mit dem wir aufgewachsen sind. Ob Natur oder Technik, egal.
Was die veränderte Natur angeht, so glaube ich, dass sich Pflanzen und Tiere da aufhalten, wo sie sich wohlfühlen. Und wenn sie keinen Platz für sich finden und nicht genug Nahrung, dann sterben sie aus. Neue Tiere und Pflanzen wandern dann ein und besiedeln hier die freigewordenen Nischen. Ob von Menschen ins Land gebracht – Waschbären z.B. – oder einfach weiter gewandert ist egal. Wenn sie sich hier etablieren können, dann werden sie das tun. Ob uns das gefällt oder nicht.
Ja, ist blöd, wenn in Neuseeland die eingewanderten Ratten die Bodenbrüter vernichtet haben. Oder die Kaninchen in Australien die Vegetation dezimieren. Das machen die ebenfalls eingeführten Schafe schließlich auch. Da sagt niemand was. Komisch. Und die Ratten und die Kaninchen können nix dafür. Das wird auch gerne vergessen.
Schlimm finde ich in diesem Zusammenhang die Diskussionen.
Wenn dann die böse Nilgans unsere armen heimischen Stockenten verdrängt, dann hat das für mich ein „Gschmäckle“. Dass die Stockente verschwindet, weil sie keinen Platz mehr findet zum Brüten, das wollen wir nicht hören. Weil dafür sind ja wir verantwortlich.
Wenn der japanische Staudenknöterich INVASIV!!! die Straßenränder besiedelt, dann muss der mit allen Mitteln bekämpft werden. Weil der die heimische Fauna verdrängt. Dass die schon gar nicht mehr da ist, weil die Straßenränder ja freigehalten werden müssen, mit allen Mitteln, auch das verdrängen wir gerne.
Meine Meinung, da kriege ich viele böse Widerworte für, jede Pflanze ist mir erst mal willkommen. Sie bindet CO2, erzeugt Sauerstoff, reinigt die Luft und spendet Schatten und Luftfeuchtigkeit. Meistens ist sie auch noch schön. Ob sie jetzt den Schmetterlingen und Bienen auch noch Nahrung liefert ist mir da erst mal egal. Ich würde keine Forsythie mehr kaufen und pflanzen, aber auch nicht entfernen nur weil sie keinen Nutzen für die Insekten bietet. Das ist mir zu kurz gedacht. Und mit den Tieren sehe ich das ähnlich.
Was wurde hier in den letzten Jahren schon gehetzt. Amerikanische Eichhörnchen verjagen die Europäischen (stimmt nicht). Die böse Asiatische Hornisse verdrängt die europäische. (Wann hast du das letzte Mal eine Hornisse gesehen?) Die kanadische Goldrute überzieht die Landschaft. Haha. Ich sehe es als Bereicherung, genauso wie das neue indische Lokal. Woher kommt all diese Hetze gegen das Ausländische und Fremde?
Nichts bleibt bestehen, das Einzige was bleibt ist der Wandel. Schlimm ist nur, wenn nichts Neues mehr kommt, wenn wir nur verlieren. Und das tun wir, leider.
Wie siehst du das?
Bonustrack 1: Wenn du dich im Naturschutz einbringen willst, es gibt viele Projekte, die froh sind um Helfer.
Bonustrack 2: Auch die Jäger der Nacht wurden früher massiv verteufelt und vernichtet. Zum Glück gibt es sie noch, die Fledermäuse. Schöner Film auf youtube.
Spruch der Woche: Hoffnung bedeutet, trotz aller Dunkelheit Licht zu erkennen.
Desmond Tutu