Da bin ich immer noch die Tochter meines Vaters. Der war sehr sparsam bei Kleinigkeiten und hat dann richtig geklotzt im Urlaub oder bei Geschenken. Einen beträchtlichen Teil meiner Kindheit habe ich auf dem Boden der Werkstatt damit zugebracht, krumme Nägel wieder gerade zu hämmern. Oder Pinsel solange auszustreichen, also so lange über ein Brett zu pinseln, bis kaum noch Farbe im Pinsel war – und so Terpentin zu sparen. Mach ich immer noch, auch wenn es mir jetzt ums Wasser sparen geht.
Was mich am meisten stört, das ist, wenn Lebensmittel weg geworfen werden. Wurde ja alles produziert: gesät, gewässert, gedüngt, womöglich mit Pestiziden behandelt, geerntet, verpackt, gekühlt, transportiert – und dann ab in die Tonne. Und bei Fisch und Fleisch ist es ja noch schlimmer. All die Tiere… Wenn ich bei der Tafel helfe, dann fällt mir das richtig auf. Und dann glaube ich auch, dass wir als Gesellschaft 30 % der Lebensmittel wegwerfen. Ich kann mich da nicht dran gewöhnen. Es ist wirklich beängstigend.
Ich habe jetzt im Lauf der letzten Jahre eine ganze Menge Routinen entwickelt, um selbst Essen „zu retten“. Im Vordergrund stand und steht wirklich das retten von Lebensmitteln. Dass ich dabei auch Geld sparen kann, das habe ich gerne „mitgenommen“. Aber so langsam wird das auch wichtig. Die Inflation wird zunehmen. Ob es die Kriege sind oder die Ernteausfälle durch die Klimaveränderungen ist egal. Essen wird teuerer.
Beim Einkaufen:
- Die App „toogoodtogo“ ist bares Geld wert. Früh bestellen, mit Karte zahlen und abends abholen. In der Tüte sind Lebensmittel im doppelten oder gar dreifachen Wert. Und dass ich nicht vorher weiß was in der Tüte ist macht das Ganze spannend.
- Bei den Läden wo ich einkaufe weiß ich, in welcher Ecke die reduzierten Artikel (ausgelistet oder kurzes MHD) versteckt sind. Da schaue und finde ich fast immer etwas, was ich mitnehme. Am Marktstand gabs mal eine Ecke mit ziemlich fertigem Obst und Gemüse – und das konnte ich fast umsonst mitnehmen. Wurde dann halt am gleichen Tag zu Kompott oder Suppe gekocht.
In der Küche:
liebe ich Rezepte zur Resteverwertung: Aufläufe, Suppen, Meurizetten, Clafouti, Quiche, Toast, Kompott, Quark… Da kann ich Reste oder Obst und Gemüse, das schon müde ausschaut aber lecker schmeckt, gut unterbringen.
Über den Zaun:
Das gefällt mir am Besten. Wenn der Garten zu viel Ernte liefert, oder ich zuviel Kuchen übrig habe, dann frage ich die Nachbarn. Am Anfang waren sie konsterniert, aber inzwischen klappt der Tauschhandel, es kommt was zurück. Erst neulich: Gretl, drinkst du eigentlich Tee? Ja gerne. Hab einen super Tee aus Marokko bekommen. Fein.
Die Tauschgeschäfte klappen auch gut mit anderen Gütern. Auch da dauert es ein wenig, bis was zurück kommt. Dann ist es umso schöner. Ich finds halt doof, wenn ich was weg werfe und meine Nachbarn das dann kaufen. Wie gesagt, muss ja auch alles produziert werden. Und der Müll wird abgeholt, transportiert, verbrannt, verbuddelt und sogar manches recycelt…
Im net werde ich Bücher los über Tauschticket oder booklooker. Auch da nimmt das Interesse zu und die Anzahl der angebotenen Waren steigt. Wir sitzen alle im gleichen Boot – auch wenn es bei manchen die Yacht ist und bei anderen ein Ruderboot.
Und wo „klotze“ ich dann? Wir essen wirklich gerne. Und gerne gut. Das hat seinen Preis, Bio ist nicht immer teurer, aber es ist nicht gerade billig. Und wenn wir essen gehen dann habe ich meistens ein Gefäß dabei, wenn die Portionen wieder mal zu groß sind. Das schmeckt am nächsten Tag auch noch gut. Ich will eh nicht noch schwerer werden. 🙂
Bonustrack: 2 Apps zum Thema Wildtierhilfe. Also, wenn du unterwegs ein Tier findest und bist nicht sicher, ob das jetzt Hilfe braucht und wer dann helfen kann. Gleicher Anbieter, bißchen andere Oberfläche: https://wildtier-sos.de/
Buchtipp der Woche: Simon Akeroyd: Regrow, 40 Hacks für Pflanzen aus Obst-, Gemüse- und Kräuterresten.
Hab ich gerade bekommen und gelesen. Und ich liebe ja Experimente 😉