Sommerschule: 2. Stunde

Das Wetter hat sich ja ziemlich beruhigt. Zum Glück. Es regnet hier sogar immer wieder mal. Die Regenfässer sind gut gefüllt und ich gieße kaum noch. Es wird sogar wieder richtig grün auf den Wiesen und meine Pflanzen haben wieder begonnen zu wachsen und Gemüse zu produzieren. Die Gurken, die Paprika, die Tomaten, die Stangenbohnen, die Zucchini. Wieviel davon jetzt tatsächlich noch reift – wir werden sehen.

Was habe ich noch gelernt in diesem Sommer?

  • Das Experiment mit der Tomate hat übrigens geklappt. 2-3 Centstücke unter die Pflanze vergraben – und ich hatte wirklich keine Krautfäule. Kupfer ist ein Fungizid. Wie schön. Ein guter Tipp von K. Nächstes Jahr mehr Tomaten. Lecker.
  • Und jetzt verteile ich cents rund um den Pfirsich, weil ich da auch so einen Schimmelpilz drin hab, der mir die Ernte streitig macht. Bin gespannt auf nächstes Jahr.
  • Mehr mulchen. Am Schlimmsten ist braune Erde. Da holen Sonne und Wind alle Feuchtigkeit, der Boden wird wie Beton. Meist lass ich eh alles wachsen, was da so wachsen will. Aber wenn ich dann mal was pflanzen möchte, dann habe ich da halt nackige Erde außen rum. Und da mulche ich jetzt. Mit Bananenschale mach ich das ja schon länger, kleingeschnitten wird sie kaum noch wahrgenommen. Aber jetzt kommt dazu noch Teekräuter, bissi Kaffeesatz, die Schalen von Äpfeln und Birnen, die Stängel von Kräutern, die trockenen Salatblätter. Kleinschneiden und ab aufs Beet – oder ins Gießwasser.
  • Und das ist auch so eine Mangelware. Mit Trinkwasser gießen, hmm. Also sammle ich Wasser: vom Obst und Gemüse waschen. Vom Hände schnell mal abwaschen. Vom Teetasse oder Kaffeetasse vorspülen, Teesieb oder Kaffeekanne… Alles was nicht allzu verschmutzt ist landet jetzt im Garten. Den Pflanzen ist es ziemlich egal. Nur Fett oder Salz, das meide ich da.
  • Neulich habe ich beim NABU eine schöne Rede gehalten. Ich habe dafür plädiert, die invasiven Pflanzen nicht zu bekämpfen. Statt dessen wäre es sinnvoll, die Zeit und Energie einzusetzen und den vertrauten Pflanzen mehr Fläche zu geben. In Gärten, auf Verkehrsinseln, auf Kreisverkehrinseln. Es gibt ja inzwischen Gärtnereien, die sich spezialisiert haben und echte Wildpflanzen anbieten. Wir haben hier in W. sogar eine. Und auf naturadb kann ich mir ganz schnell anzeigen lassen, welche Pflanzen da für meinen vollsonnigen Sandboden in Frage kommen. Und kriege sogar noch Bezugsquellen genannt. Kann in Ruhe aussuchen, welche Pflanzen mir gefallen. Und unsere Wildkräuter sind schon sehr schön. Nicht alle, ok, aber viele. Da werde ich nächstes Jahr mal das Buddeln anfangen.

Wenn ich all diese Lektionen umsetze erspare ich mir hoffentlich viel Gießen und habe trotzdem einen schönen Garten, der noch dazu vertraute Tiere und Pflanzen enthält.

Machst du dir ähnliche Gedanken? Bitte schreib einen Kommentar.

Bonustrack 1: Auf dieser NABU Veranstaltung war auch eine Frau, die eine Wildtierhilfe betreibt. Und sie hat auf ihrer homepage einen Wildtierkompass. Da kannst du sehen, was du machen kannst und lassen solltest, wenn du ein Wildtier findest und dich fragst: Braucht das Hilfe und wenn ja, was? Nett war sie auch. Klar.

Bonustrack 2: Jetzt kann wieder der Vogel des Jahres gewählt werden. Hier kannst du abstimmen.

Spruch der Woche: Jede größere Stadt soll Wildnis vor ihren Toren haben, damit sich die wundgescheuerten Seelen dort wieder etwas gesundbaden können.
Henry David Thoreau

Verschwenderisch

Da bin ich immer noch die Tochter meines Vaters. Der war sehr sparsam bei Kleinigkeiten und hat dann richtig geklotzt im Urlaub oder bei Geschenken. Einen beträchtlichen Teil meiner Kindheit habe ich auf dem Boden der Werkstatt damit zugebracht, krumme Nägel wieder gerade zu hämmern. Oder Pinsel solange auszustreichen, also so lange über ein Brett zu pinseln, bis kaum noch Farbe im Pinsel war – und so Terpentin zu sparen. Mach ich immer noch, auch wenn es mir jetzt ums Wasser sparen geht.

Was mich am meisten stört, das ist, wenn Lebensmittel weg geworfen werden. Wurde ja alles produziert: gesät, gewässert, gedüngt, womöglich mit Pestiziden behandelt, geerntet, verpackt, gekühlt, transportiert – und dann ab in die Tonne. Und bei Fisch und Fleisch ist es ja noch schlimmer. All die Tiere… Wenn ich bei der Tafel helfe, dann fällt mir das richtig auf. Und dann glaube ich auch, dass wir als Gesellschaft 30 % der Lebensmittel wegwerfen. Ich kann mich da nicht dran gewöhnen. Es ist wirklich beängstigend.

Ich habe jetzt im Lauf der letzten Jahre eine ganze Menge Routinen entwickelt, um selbst Essen „zu retten“. Im Vordergrund stand und steht wirklich das retten von Lebensmitteln. Dass ich dabei auch Geld sparen kann, das habe ich gerne „mitgenommen“. Aber so langsam wird das auch wichtig. Die Inflation wird zunehmen. Ob es die Kriege sind oder die Ernteausfälle durch die Klimaveränderungen ist egal. Essen wird teuerer.

Beim Einkaufen:

  • Die App „toogoodtogo“ ist bares Geld wert. Früh bestellen, mit Karte zahlen und abends abholen. In der Tüte sind Lebensmittel im doppelten oder gar dreifachen Wert. Und dass ich nicht vorher weiß was in der Tüte ist macht das Ganze spannend.
  • Bei den Läden wo ich einkaufe weiß ich, in welcher Ecke die reduzierten Artikel (ausgelistet oder kurzes MHD) versteckt sind. Da schaue und finde ich fast immer etwas, was ich mitnehme. Am Marktstand gabs mal eine Ecke mit ziemlich fertigem Obst und Gemüse – und das konnte ich fast umsonst mitnehmen. Wurde dann halt am gleichen Tag zu Kompott oder Suppe gekocht.

In der Küche:

liebe ich Rezepte zur Resteverwertung: Aufläufe, Suppen, Meurizetten, Clafouti, Quiche, Toast, Kompott, Quark… Da kann ich Reste oder Obst und Gemüse, das schon müde ausschaut aber lecker schmeckt, gut unterbringen.

Über den Zaun:

Das gefällt mir am Besten. Wenn der Garten zu viel Ernte liefert, oder ich zuviel Kuchen übrig habe, dann frage ich die Nachbarn. Am Anfang waren sie konsterniert, aber inzwischen klappt der Tauschhandel, es kommt was zurück. Erst neulich: Gretl, drinkst du eigentlich Tee? Ja gerne. Hab einen super Tee aus Marokko bekommen. Fein.

Die Tauschgeschäfte klappen auch gut mit anderen Gütern. Auch da dauert es ein wenig, bis was zurück kommt. Dann ist es umso schöner. Ich finds halt doof, wenn ich was weg werfe und meine Nachbarn das dann kaufen. Wie gesagt, muss ja auch alles produziert werden. Und der Müll wird abgeholt, transportiert, verbrannt, verbuddelt und sogar manches recycelt…

Im net werde ich Bücher los über Tauschticket oder booklooker. Auch da nimmt das Interesse zu und die Anzahl der angebotenen Waren steigt. Wir sitzen alle im gleichen Boot – auch wenn es bei manchen die Yacht ist und bei anderen ein Ruderboot.

Und wo „klotze“ ich dann? Wir essen wirklich gerne. Und gerne gut. Das hat seinen Preis, Bio ist nicht immer teurer, aber es ist nicht gerade billig. Und wenn wir essen gehen dann habe ich meistens ein Gefäß dabei, wenn die Portionen wieder mal zu groß sind. Das schmeckt am nächsten Tag auch noch gut. Ich will eh nicht noch schwerer werden. 🙂

Bonustrack: 2 Apps zum Thema Wildtierhilfe. Also, wenn du unterwegs ein Tier findest und bist nicht sicher, ob das jetzt Hilfe braucht und wer dann helfen kann. Gleicher Anbieter, bißchen andere Oberfläche: https://wildtier-sos.de/

Buchtipp der Woche: Simon Akeroyd: Regrow, 40 Hacks für Pflanzen aus Obst-, Gemüse- und Kräuterresten.
Hab ich gerade bekommen und gelesen. Und ich liebe ja Experimente 😉


Ehrenamt die Zweite

Heute kommt ein Gastbeitrag von Markus:

Bonustrack 1: Ein Aufruf von Greenpeace. Gesucht werden Mitkläger für eine Verfassungsbeschwerde, um die Bundesregierung zu veranlassen, mehr gegen den Klimawandel zu unternehmen. Das kostet dich nur ein wenig Zeit. Die Zeit drängt, Frist ist der 31.08.2024.

Bonustrack 2: Eine Seite der UNO mit lauter Tipps, wie du dich engagieren kannst.

Spruch der Woche: Einzeln sind wir Worte. Zusammen sind wir ein Gedicht. (Autor mir nicht bekannt)