Unerwartete Gartenfreuden

Von meinem kleinen Handtuchgarten habe ich euch ja schon erzählt. 25 m2, im Wohngebiet, Zäune außenrum. War mal ein Rasen.

Viel haben wir nicht gemacht. Ein paar Pflanzen versucht, die aber auf dem Sandboden nicht wirklich gut wachsen. Es stand und steht ein alter Pfirsichbaum an einer Seite. Der alte Baum ist inzwischen abgestorben, er hat aber netterweise und rechtzeitig ein paar junge Triebe bekommen, die inzwischen üppig sind. Leider sind die Pfirsiche nix, da ist ein Pilz dran, die Monilla und da gehen die Pfirsiche schneller kaputt als sie reif werden. Wird auch dieses Jahr wohl wieder so sein. Schade. Wir wollen den Baum trotzdem behalten, er spendet Schatten und im Frühjahr sumsen die Bienen dass es eine Freude ist.

Die Pflanzen die ich haben will, die stehen alle in Töpfen auf Balkon und Terrasse oder auf der Treppe vor dem Haus. Da kann ich die Qualität des Bodens steuern. Und gieße sie mit Wasser was beim Waschen von Obst und Gemüse anfällt, vom Händewaschen oder Tassen ausspülen. Das reicht halbwegs. Die Regentonnen sind inzwischen leer. Die paar Tropfen gestern, nunja.

Ansonsten wächst viel, was sich von selber eingefunden hat. Jedes Jahr kommen und gehen Pflanzen. Ein Essigbaum wird immer größer und spendet Schatten. Der hat ziemlichen Ausbreitungsdrang – und ich so ziemlich viel Grün für die Vase. Die Nachtkerze findet auch jedes Jahr neue Plätze und ich lasse sie vagabundieren. Die kanadische Goldrute ist vom Nachbarn über den Zaun gesprungen, die Blüten trockne ich für meinen Haustee – und natürlich wandern viele Stiele in die Vase. Auch sie breitet sich gerne aus und da wo ich sie nicht haben will kommen die frischen Triebe als Grün in die Vase. Wie gesagt, wir haben nur 25 m2. Auch Dost breitet sich aus, den mag ich gerne, er unterdrückt das Gras und die Bienen freuen sich. In einem Eck wächst die Brennnessel. Auch da ernte ich gerne die Samen als Gewürz.

Dieses Jahr haben wir wieder viele Insekten bei uns zu Gast. Die große blauschwarze Holzbiene buddelt Gänge im abgestorbenen Pfirsich für ihre Gelege. Bin gespannt, wie lange der Baum noch steht. Schmetterlinge besuchen uns und jede Menge andere Bienenartige, die ich noch nicht so recht wahr genommen habe. Ameisen haben wir dieses Jahr noch kaum gesehen. Auch die Tiere kommen und gehen.

Seit ein paar Tagen haben wir 2-3 Wespenspinnen zu Besuch. Die kenne ich aus Südfrankreich, imponierende Gestalten. Sie haben auch ein ganz eigenartiges Netz mit einem Mittelsteg. Wenn sie mal alle Grashüpfer gefangen haben ziehen sie wieder weiter. Im Haus bräuchte ich sie jetzt nicht, im Garten finde ich sie schön.

Und gestern morgen höre ich so ein Schnuffeln, denke der Kater hat vielleicht Probleme, sehe auch so ein graues Tier. Aber nein, es war nicht der Kater. Zwei große ausgewachsene Igel hatten es sich im Schatten gemütlich gemacht. Hab ich bei uns noch nie gesehen, wie gesagt, ist ja auch ein Zaun um den Garten. Eine kleine Lücke ist für den Kater, die haben sie wohl entdeckt. Wenn die Igelchen tagsüber unterwegs sind haben sie meist Hunger. Ihre Beute ist halt auch der Hitze und der Trockenheit zum Opfer gefallen. Ich hoffe sie finden genug zu futtern. Füttern soll man sie ja nicht, da kann man viel falsch machen. Wasserstellen haben wir eh im Garten, wenigstens das.

Seit 9 Jahren leben wir jetzt hier. Da hat sich viel getan in diesem Garten. Der eine Nachbar hat eine ähnliche Philosophie wie wir, der andere hat einen Rasen, der jetzt völlig verbrannt ist. Seine Büsche und Kübel hat er gegossen, wie wir auch. Sind ja auch finanzielle Werte. Und irgendwie fühle ich mich auch verantwortlich für die Pflanzen die ich gekauft habe. Kann ich doch jetzt nicht einfach vertrocknen lassen. Wir sind aber froh, dass der Garten so klein ist. So hält sich das Gießen in Grenzen, zeitlich und finanziell.

Mich freut es immer riesig, wenn sich Tiere zu uns verirren. Ich lese es immer wieder, dass in den Wohngebieten inzwischen mehr wilde Tiere zu finden sind als außerhalb der Städte. Kaum Gift, keine Jäger, langsame Autos, mehr Abwechslung. Das ist wohl so. Leider ist unser Kater ein echter Killer. Immerhin lässt er die Bienen und Wespen in Ruhe…

Bonustrack: 1 Natürlich verwenden wir keinerlei Gift in unserem Garten. Wir verlassen uns auf tierische Helfer. Eine Seite des NABU. Mit Geduld und Gelassenheit verschwinden die meisten Saftsauger von selbst.

Bonustrack 2: Citizen Science, falls du von Zecken attackiert wirst oder Hund oder Katze, hier kannst du die Plagegeister melden. Nochmal der NABU.

Zahl der Woche: Lebensmittel im Wert von ca. 400,00 € wirft jeder Deutsche im Jahr weg. (BMLEH) bmleh.org. Das erschreckt mich schon. Das können wir besser machen.


Platz

Als Kind teilte ich mir ein Zimmer mit meinem Bruder. Fand ich furchtbar. Später dann ein eigenes Zimmer. Wow.

Während der Ausbildung Zimmer mit Freund in einer WG. War ok, wenn man sich mag, dann braucht man weniger Platz.

Eigene kleine Wohnung, selber liebevoll gestaltet. Mein Reich, sehr fein.

Diese eigene kleine Wohnung mit Freund, war schon eng. Aber ok.

Größere Wohnung. Die erste Katze.

Größere Wohnung, allein in einem kleinen Haus, Garten außen rum, fein. Eigentlich wollten wir ein Zimmer nicht nutzen, der Vorsatz hat nicht lange gehalten. Kam der ganze Bastelkram und Freizeitkram rein, wir nannten es das Zimmer der Möglichkeiten. War schnell voll geräumt.

Dann auf andere Wohnung verkleinert. Hmm. Ist an anderen Gründen gescheitert.

Jetzt zu zweit in einem Reihenhäuschen. Mit kleinem Reihenhäuschengarten. Wunderbar für uns beide und den Kater. Auch das haben wir voll gestellt. Sogar den Garten. Pflanzen sind auch so eine Leidenschaft. Erst heute wieder ein Sedum mitgenommen. Ist ja Platz. Es ist mir aber zu viel. Zu viel Platz, zu viele Dinge, vier Stockwerke, ich werde nicht jünger. So viele Dinge zu verwalten. So viele Fenster und Böden zu putzen. Regale, Schränke. Treppauf, treppab. Wo ist jetzt meine Brille. (Ein schlechtes Gedächtnis ist gut für die Gesundheit, wegen Treppensteigen…).

Der Gedanke vom tinyhouse reizt mich. Alles verkleinern, mich von vielem trennen, übersichtlich, reduzieren auf das Hier und Jetzt und nicht mehr das Gestern und Morgen mit mir rumschleppen. Aber ob ich das kann? Im Urlaub, so mit Motorradfahren und Zelten, für 14 Tage, da habe ich das immer genossen. Ich werde dann wieder kreativer, mit den begrenzten Möglichkeiten. Und fast immer hatten wir zuviel dabei.

Jetzt waren wir ein paar Tage mit einem Camping Van unterwegs. Ich überlege einen zu erwerben. Aus Gründen. (Was? Ist ja noch mehr Eigentum!!!) Da stellt sich mir die Frage ob ich das kann – und will.

Nunja. Eng wars schon, unbequem. Blaue Flecken, immer wieder einen Hängeschrank vor dem Kopf. Fahren ließ sich das Teil ganz gut, aber 10 Ltr. Diesel/100 km, das ist für eine Ökotante schon viel. Schlafen ging in der ersten Nacht gut, in der zweiten nicht so. Und wir hatten wirklich nicht viel dabei. War auch nicht nötig, die erste Tour ging zu Freunden und Familie. War schön, aber. Den Komfort einer Toilette mit Kanalisationsanschluss weiß ich jetzt jedenfalls zu schätzen.

Und heute, hier, jetzt, wo es regnet, da ist es schön, so viel Platz und so viele Dinge zu haben. Auswahl, Möglichkeiten. Bequem im Trockenen. Meine geliebten Vorräte. Nicht nur heute und hier sondern auch: Welches der vielen Bücher lese ich? Was esse ich? Mei hat das abgekühlt, schnell ne wärmere Hose aus dem Schrank, einen dünnen Pulli dazu. Bequem am Computer statt nur am Handy tippen. Da komme ich schon ins Grübeln. Ich kann diese Bequemlichkeit und den Platz schon genießen. Der Mann will es auch so, der Kater auch.

Ich muss mich ja nicht schnell entscheiden, ich muss überhaupt recht wenig. Zum Glück.

Was ich aber bestimmt weiter machen werde: Jeden Tag was aus dem Haus bringen, was von anderen (weiter) genutzt werden kann. Heute zwei Bücher zur Post gebracht. (tauschticket.de und booklooker.de), ein wenig reduzieren. Muss ja keine Marie Kondo werden, aber die Richtung ist schon gut. Und wenn es geht mich mit dem begnügen was schon da ist. Und second hand kaufen. Wenigstens das.

Ich finde es auch schwer, mich dem allgemeinen Mehr/Größer/Weiter/Neu zu entziehen. Ich weiß, jammern auf hohem Niveau. Wie geht es dir damit?

Bonustrack 1: wenn du noch eine Begründung brauchst, warum du deinen Garten nicht sauber und ordentlich pflegst: https://idw-online.de/de/news850287

Bonustrack2: Althandy-Entsorgung: https://wir-packens-an.info/handysammlung/

Spruch der Woche: Zum Thema Überfluss schreibt Sandra Krautwaschl: „Denn Zuviel ist auch ein Zeichen von Mangel. Zuviel ist nicht nur mehr als genug, sondern ein Mangel an richtigem Maß“. Aus dem Buch Verschwendungsfreie Zone.

Ich wünsche euch friedliche Menschen und fröhliche Zeiten