Der Lohn der Faulheit

Wenn du der Natur, den Tieren, den Pflanzen helfen willst, die Biodiversität stärken, den Artenschwund stoppen, dann hast du zwei Wege, mindestens.

  1. Du kannst Zeit und Energie aufwenden, selber Hand anlegen. Tümpel ausheben, mit Wasser füllen, Blühstreifen säen, Bienennistkästen aufhängen und Vogelnistkästen sowieso. Du kannst Vögel füttern und heimische Pflanzen aussäen und anpflanzen. Du kannst deinen Balkon, deinen Vorgarten begrünen, wenn es geht mit heimischen Pflanzen, zum Nutzen der Bienen und Käfer und der Schmetterlinge. Lass dich dann gerne vom NABU, vom BUND beraten. Leider ist da gut gemeint nicht immer gut getan.
    Grad sind ja Streuobstwiesen im Gerede, sehen schön aus und bieten super Biotope. Vielleicht kannst du ja eine Wiese kaufen. Meine war gar nicht so teuer. Eine Streuobstwiese ist es nicht geworden, weil ich da zuviel andere Pflanzen drauf habe und keine Hochstämme gepflanzt. Ich will ohne Leiter ernten können. Es ist halt immer auch ein Kompromiss. Wenn du Lust auf Streuobstwiese hast, frag doch mal bei deiner Gemeinde, deinem Landratsamt, vielleicht bekommst du eine Förderung?
  2. Oder, du machst viel weniger. Klar, brauchst du auch dafür erst mal ein wenig Garten, Wiese, Gelände. Und dann schaust du zu, was von alleine kommt.
    In unserem Handtuchgarten steht ein alter Pfirsichbaum. Der Vermieter hätte gerne, dass wir den fällen und entsorgen. Sieht halt nicht mehr schön aus, trägt wenig und nur kleine Früchte. Lohnt sich doch nicht. Aber was soll ich sagen. Als Biotop ist der Spitze. Wenn er blüht, dann kommen die Wildbienen und der ganze Baum summt und brummt. Flechten und Baumpilze wachsen auf ihm. (Leider auch die Kräuselkrankheit, da greife ich schon ein und schneide die befallenen Stellen ab. Seufz.) Die Spatzen und Meisen sitzen auf den Ästen und zwitschern vor sich hin. Und im Frühjahr konnten wir beobachten, wie die Holzbiene ihre Eier in den abgestorbenen Ast gelegt hat. Dafür braucht sie Äste von mindestens 3 cm Durchmesser, senkrecht wenns geht. Und diesen Ast hat sie dann ausgehöhlt. Eine Biene! Sägemehl in rauen Mengen. Faszinierend. Tja, und letztes Wochenende hat dann ein Buntspecht das Gelege entdeckt und aufgemeißelt. War auch schön anzusehen, schöner Kerl. Tocktock, tocktocktocktock. Nun gut, an einem Samstag früh um 6 Uhr hätte ich das nicht unbedingt gebraucht. Und dennoch. Es war ein Geschenk. In so einem kleinen Garten einen Buntspecht zu Gast zu haben, ihn beobachten zu können. Er hat sich immer wieder den Schnabel geleckt. Fand ich lustig. Die Mutterbiene fand es nicht so lustig. Sie hat den Specht immer wieder attackiert. Leider ohne Erfolg. Mein Herz ist bei der Mutter, so viel Mühe, umsonst. So ist halt die Natur und ich bin froh, dass es die Holzbienen und den Buntspecht gibt. Die Belohnung der Faulheit.

Bonustrack 1: Ein Film über Permakultur von Jan Kiefel

Bonustrack 2: Ein Film über eine Elefantenaufzuchtstation in Kenia von Ami Vitale. Ich geb zu, ich hatte Tränen in den Augen. Um den Film zu sehen, musst du Eintritt zahlen, eine Spende von mindestens $ 10,00. War es uns wert.

Bonustrack 3: Ein Film über Spechte – und warum sie keine Kopfschmerzen bekommen.

Spruch der Woche: Gesehen in Frankfurt am Main, große Plakate mit einer Fledermaus drauf und den Worten „Ich bin Frankfurterin und möchte es gerne bleiben“.


4 Kommentare zu „Der Lohn der Faulheit“

  1. Den Film über Spechte habe ich mit Interesse angeschaut. Es wird sehr anschaulich und verständlich erläutert warum die Spechte, beim sich den Kopf gegen den Baum schlagen, keine Kopfschmerzen bekommen. Danke für den Link. Die Spende für Reteti habe ich gerne geleistet. Der Film hat mich sehr berührt, 275 US-Dollar werden benötigt, um einen Elefanten bei der Aufzucht 3 Tage lang mit Milch zu versorgen. Hoffentlich finanziert sich die Organisation auch weiterhin.

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  2. Wunderschöner Artikel. Und auch so aussagekräftig. Ich bezweifle schon lange die flammenden Reden von Jägern, die behaupten, dass ihre „Dezimierung“ der Marder, Wildschweine und des Dammwildes eine Pflege des Waldes sei. Unser Hauptproblem ist doch vielmehr, dass wir der Wildnis zu wenig Platz lassen. Böden versiegeln, Rasen mähen, Laub wegblasen.
    Den Pfirsichbaum hat man in Deinem Artikel gleich lieb gewonnen.

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