Achtung Politik

Politisch geht’s ja drunter und drüber. Manchen freut’s. Andere kriegen es vielleicht mit der Angst.

Ich will euch sagen, warum ich keine Partei wählen werde, die „rechts“ ist:

  • Ich habe einen Bruder, der ist Moslem geworden, damit er seine Frau heiraten kann. F. ist Türkin.
  • Ich habe einen Bruder der ist schwul.
  • Ich habe eine französische Freundin.
  • Ich bin sehr gerne Mitglied in einem Verein, dessen zweiter Vorstand aus Syrien kommt (glaube ich zumindest. Ist mir eigentlich auch egal).
  • Ich mag auch andere Mitglieder in diesem Verein, die aus Kasachstan stammen.
  • Ich habe Freunde, die aus diversen Gründen nicht „voll“ arbeiten können.
  • Ich habe Freunde und Familie mit psychischen Problemen.
  • Ich habe Nachbarn die aus Italien stammen, aus Litauen, aus Kasachstan, aus Ungarn. Der halbe Ort in dem ich lebe ist nach dem Krieg entstanden – mit Flüchtlingen aus Osteuropa. Ohne sie gäbe es hier keine Industrie und auch sonst nicht viel.
  • Ich gehe zu einer Postfiliale, die von einer Frau aus dem Ostblock betrieben wird, zu einer Friseurin aus Polen, kaufen in einem Blumenladen mit einer russischen Chefin.
  • Ich kaufe sehr gerne im türkischen Großhandel ein und auf dem Markt bei einer Philippina, die hervorragendes und interessantes Obst hat. Ein anderer interessanter Marktstand wird von Italienern betrieben. Nebenan ist ein Stand mit türkischer Feinkost, sehr lecker und er Chef ist Türke (ach was!).
  • Ich kaufe in einer Apotheke, die von einer Chinesin geführt wird.
  • Ich gehe zu einem Arzt, mit einer türkischen Arzthelferin.
  • Ich gehe ausgesprochen gerne zur Thai-Massage. Die Mädels helfen mir sehr.
  • Ich esse gerne asiatisch, italienisch, türkisch, griechisch und afrikanisch. Französisch sowieso.
  • Ich esse auch gerne in deutschen Gaststätten – und in fast allen Küchen arbeiten syrische, ukrainische oder afrikanische Helfer*innen.
  • Mein Vater wurde in seinen letzten Lebenstagen hervorragend von ausländischen Ärzt*innen und Pfleger*innen betreut.
  • Und so weiter…

All diese Menschen sind ein wichtiger Teil meines Lebens. Meines sozialen Netzes. Ich mag sie, bin gerne mit ihnen zusammen und möchte sie auf keinen Fall verlieren, weil irgendjemand ein Klima schafft, wo all diese Menschen sich womöglich nicht mehr wohlfühlen oder gar aktiv vertrieben werden.

Warum ist das ökologisch?

Wer so über Mitmenschen denkt und Menschen in willkommen und nicht willkommen einteilt, der wird auch den Feldhamster nicht schützen. Nicht die Brennnessel oder den dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling. Der wird den Giersch ausrotten wollen und die Ratten sowie so. Der gibt auch Tier und Pflanze kein Recht auf Leben.

Deshalb.

Wir schaffen das nur gemeinsam. Aber auf jeden Fall gemeinsam am Besten und am Schnellsten.

Bonustrack 1: Stop Ökozid International.

Bonustrack 2: Wissen ist Macht – und hier gibts Wissen über Insekten.

Spruch der Woche: (Ich lese gerade wieder mit großer Begeisterung Tolkien. Fantasy passt zu jeder Epoche, leider)
‚I wish it need not have happened in my time‘ said Frodo.
‚So do I,‘ said Gandalf, ‚and so do all who live to see such times. But that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given us.‘
Tolkien, The Lord of the Rings


4 Kommentare zu „Achtung Politik“

  1. Ich kriege es eher mit der Angst. In Magdeburg geht die Hatz auf ausländisch aussehende Menschen los, Hass und Hetze ist an der Tagesordnung. Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, irgendwen aus der rechten Ecke zu wählen. Ich habe Freunde aus Ägypten, Syrien, Polen. Ein Syrer hat gerade sehr erfolgreich meinen Mann operiert, die Reinigungskraft meiner Mutter kommt aus Ghana. Aber mir ist jede*r willkommen, egal, was oder ob sie was „leisten“. Die Väter (und eine Mutter) des Grundgesetzes haben sehr bewusst das Grundrecht auf Asyl dort verankert. Unsere Nachbarn haben ihre Wurzeln in Afghanistan, in der Türkei, in Afrika und sonstwo. Wir leben in einem sog. Multi-Kulti-Viertel und wir leben hier gerne. Nebenan gibt es ein Moschee und direkt daneben eine katholische Kirche. Geht alles, wenn man nur will.
    Mein Chef ist schwul, ich habe viele queere Freund*innen und es macht mir Angst, dass die nun wieder Angst haben müssen, wenn sie auf die Straße gehen.
    Es ist an uns, uns zu positionieren, Stellung zu beziehen und dagegen zu halten. Auch im Alltag, beim Arzt, an der Supermarktkasse, im Sportverein usw.

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    1. Moin Birte, danke für deine Rückmeldung. Da sehen wir beide in die gleiche Richtung. Hier in W*heim ist ziemlich friedlich, zum Glück. Und ich hoffe, dass sich alle Menschen die hier leben auch sicher fühlen. Hoffentlich bleibt es so. Ich drücke dich aus der Ferne und wünsche dir schöne Tage

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  2. Wie treffend, Du schreibst „wir schaffen das nur gemeinsam“. Ja, das sehe ich auch so. Es lebe die Vielfalt der Kulturen, der Menschen, der Biodiversität und die Vielfalt der gemeinsamen Anstrengungen mit dem Ziel einer lebenswerten Zukunft für Alle. Vielen Dank für Deinen Beitrag, in Form dieses Blogs, andere zum Denken und hoffentlich auch zum Handeln zu motivieren. LG Markus

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