Neulich in der Straßenbahn

Hinter mir sitzen zwei Damen und – äh – debattieren. Anscheinend Mutter und Tochter.

T: bitte gib ihr keine Kekse mehr. Sie hat Zöliakie, das weißt du doch. Es geht ihr dann schlecht.

M: ach das glaube ich nicht. Das ist doch so ein Modeding. Das ist doch gar nicht bewiesen. Das ist doch nur Geldmacherei von der Dinkelmafia.

T: Mama bitte, sie verträgt es nicht. Der Arzt hat gesagt, sie darf kein Gluten …

M: aber alle Omas geben ihren Enkeln Kekse. Nur ich darf nicht oder was?

T: das ist doch kein Argument. Du schadest ihr.

M: dir habe ich auch immer Kekse gegeben, es hat dir auch nicht geschadet, oder?

T: ich hab ja auch keine Zöliakie. Aber die Lüttelotte hat nun mal.

M: also von mir hat sie das nicht. Das kommt nur von dem Vater und seiner Familie. Und jetzt soll ich ihr keine Kekse geben dürfen.

T: ist doch egal, warum sie das hat, wir müssen das akzeptieren und uns danach richten.

M: ich geb ihr ja auch immer nur einen Keks. Das bißchen schadet nun wirklich nicht.

T: Mama, bitte gib ihr keine Kekse mehr. Jeder blöde kleine Keks schadet ihr. Wenn du unbedingt willst, dann kauf ihr halt Gluten freie Kekse.

M: die sind mir viel zu teuer.

T: Mama, sie ist deine Enkelin, hallo!

M: ok, dann soll die Lüttelotte eben sagen, dass sie keine Kekse will.

T: klar, die Lüttelotte mit ihren 4 Jahren soll jetzt die Vernunft und die Disziplin aufbringen, die du nicht hast.

M: wie sprichst du denn mit mir? Ich bin deine Mutter.

Ich sitz da und denke, wie blöd ist denn diese Oma? Sieht sie nicht, dass sie ihrer Enkelin schadet? Und was sind das denn für blöde Argumente? Weil alle es machen? Weil es schon immer so war? Weil das bißchen bestimmt nicht schadet? Weil das eh nicht bewiesen ist?

Und dann denke ich, wir als Gesellschaft sind nicht besser. Das sind genau unsere Begründungen für zu viel Fleisch, zu große Autos, Flugreisen, Bequemlichkeit und Konsum. Und dass wir uns nicht ändern wollen.

Nur dass es bei der Oma und der Enkelin deutlicher ist. Unmittelbarer.

Bonustrack: Eine Woche Tipps zur veganen Lebensweise

Spruch der Woche: Dream big – if you want a pony, ask for a unicorn

James Victore


2 Kommentare zu „Neulich in der Straßenbahn“

  1. Die Altvorderen haben Probleme sich zu ändern, weil das ja bedeuten würde, bis jetzt etwas falsch gemacht zu haben. Erst mit der Einsicht, dass dies so ist, wird die Voraussetzung für Veränderungen gelegt. Da ich auch zu den Altvorderen gehöre, wünsche ich uns allen mehr Bereitschaft aus den liebgewonnenen Anhaftungen auszubrechen und Veränderungen zu wagen.

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